Der Aufdruck “Swiss Made” auf einem Uhrenzifferblatt hat enormes Gewicht. Für viele Verbraucher steht er für Qualität, Präzision und Tradition. Doch was genau macht eine Uhr zu einer “Swiss Made”? Die Antwort ist komplexer als es zunächst scheint und umfasst Gesetze, technische Kriterien und strategische Entscheidungen der Hersteller. In diesem Artikel erklären wir ausführlich, was hinter dieser Bezeichnung steckt und warum sie im Uhrenmarkt nach wie vor so relevant ist.

Der Ursprung des Labels “Swiss Made”.”
Der Begriff “Swiss Made” entstand, um den Ruf der Schweizer Uhrenindustrie zu schützen, insbesondere ab dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. Mit dem Wachstum der Branche tauchten in anderen Ländern hergestellte Imitationen auf, die oft von minderer Qualität waren, aber mit dem Schweizer Image verbunden wurden.
Um Verwirrung zu vermeiden und Verbraucher und Hersteller zu schützen, hat die Schweiz die Verwendung der Bezeichnung “Swiss Made” offiziell geregelt. Im Laufe der Zeit wurden diese Regeln aktualisiert, um mit den technologischen und industriellen Entwicklungen Schritt zu halten.
Aktuelle Gesetzgebung: Was das Gesetz tatsächlich vorschreibt
Die grundlegenden rechtlichen Kriterien
Eine Uhr darf heute nur dann rechtmäßig als “Swiss Made” bezeichnet werden, wenn sie eine Reihe von Anforderungen erfüllt, die im Schweizer Recht festgelegt sind. Die wichtigsten sind:
- Der Umzug muss schweizerisch sein.
- Das Uhrwerk muss in der Schweiz in die Uhr eingebaut werden.
- Die Endabnahme der Uhr soll in der Schweiz erfolgen.
- Mindestens 60% der Produktionskosten müssen schweizerischen Ursprungs sein.
Diese Kriterien mögen auf den ersten Blick streng erscheinen, doch es gibt wichtige Nuancen, die Beachtung verdienen.
Was gilt als Schweizer Bewegung?
Damit ein Umzug als schweizerisch gilt, müssen drei Hauptbedingungen erfüllt sein:
- Die Montage erfolgt in der Schweiz.
- Die Prüfung erfolgt durch den Hersteller in der Schweiz.
- Mindestens 601 TP3T des Produktionswertes müssen in der Schweiz erwirtschaftet werden.
Dies bedeutet, dass Teile des Uhrwerks im Ausland hergestellt werden können, vorausgesetzt, der Schweizer Mehrwert erreicht den erforderlichen Prozentsatz.
Die umstrittene “60% von Schweizer Wert”
Wert ist nicht Menge.
Einer der umstrittensten Aspekte des Labels “Swiss Made” ist, dass die Berechnung auf dem Wert und nicht auf der Anzahl der Komponenten basiert. Ein einzelnes teures, in der Schweiz hergestelltes Bauteil kann die Kosten mehrerer billigerer, im Ausland gefertigter Bauteile ausgleichen.
In der Praxis ermöglicht dies die Produktion von Teilen wie Zifferblättern, Gehäusen, Armbändern oder sogar internen Komponenten außerhalb der Schweiz, sofern der Endwert den Mindestprozentsatz erfüllt.
Praktische Beispiele
Eine Uhr kann Folgendes haben:
- In Asien hergestellte Box
- Armband, hergestellt außerhalb Europas.
- Einige Bestandteile der Bewegung stammen aus dem Ausland.
Dennoch kann es rechtlich als “Swiss Made” bezeichnet werden, wenn das Uhrwerk in der Schweiz montiert und geprüft wird und die Kosten in der Schweiz ausreichen, um die erforderlichen 60%-Standards zu erfüllen.
Swiss Made ist nicht gleichbedeutend mit hochwertiger Uhrmacherei.
Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass jede Uhr mit dem Label “Swiss Made” zur Haute Horlogerie gehört. Tatsächlich gibt das Label lediglich Herkunft und Mindestkriterien an, nicht aber Verarbeitungsqualität, Exklusivität oder technische Komplexität.
Es gibt erschwingliche, in Serie gefertigte Schweizer Uhren, die den Vorschriften entsprechen, sowie äußerst anspruchsvolle Stücke, die fast vollständig in Handarbeit hergestellt werden.
Unterschiede zwischen Swiss Made, Swiss Movement und Designed in Switzerland
Swiss Made
Dies bedeutet, dass die Uhr alle von der Schweiz festgelegten gesetzlichen Anforderungen erfüllt, einschließlich Uhrwerk, Montage und Endkontrolle innerhalb des Landes.
Schweizer Bewegung
Es bedeutet lediglich, dass das Uhrwerk aus der Schweiz stammt. Die Uhr als Ganzes kann in einem anderen Land montiert werden. Diese Bezeichnung ist nicht gleichbedeutend mit “Swiss Made”.
Entworfen in der Schweiz
Dies bezieht sich ausschließlich auf das Design. Für die Komponenten oder die Montage wird keine Schweizer Herkunft garantiert.
Die Bedeutung der Endkontrolle in der Schweiz
Die Endkontrolle ist einer der Eckpfeiler des Gütesiegels “Swiss Made”. In dieser Phase wird die Uhr auf Funktionalität, Ganggenauigkeit, Verarbeitung und Konformität geprüft.
Auch wenn Komponenten in anderen Ländern hergestellt werden, liegt die letztendliche Verantwortung beim Schweizer Hersteller, der Mindestqualitätsstandards gewährleisten muss.
Das Label „Swiss Made“ als Marketinginstrument.
Wertwahrnehmung und Vertrauen
Verbraucher verbinden “Swiss Made” mit Zuverlässigkeit, Tradition und Prestige. Diese Wahrnehmung ist so stark, dass viele Marken das Siegel prominent auf dem Zifferblatt platzieren.
In manchen Fällen hat das Label bei der Kaufentscheidung ein größeres Gewicht als spezifische technische Merkmale.
Grenzen des Siegels als absolute Garantie
“Swiss Made” ist zwar ein wichtiges Indiz, garantiert aber allein noch keine außergewöhnliche Qualität der Uhr. Verarbeitungsqualität, Langlebigkeit und Ganggenauigkeit variieren je nach Marke und Modell erheblich.
Das Siegel sollte daher als Ausgangspunkt und nicht als endgültiges Urteil betrachtet werden.
Marken, die mehr bieten als das absolute Minimum.

Manche Marken verwenden das Label “Swiss Made” fast schon konservativ und produzieren weit mehr als das vorgeschriebene Minimum in der Schweiz. Bei diesen Unternehmen erfolgen die meisten Komponenten, die Endbearbeitung und die Montage vor Ort.
Andere entscheiden sich dafür, die gesetzlichen Vorgaben strikt einzuhalten und dabei Kosten und wahrgenommenen Nutzen abzuwägen. Beide Ansätze sind legitim, führen aber zu unterschiedlichen Kundenerlebnissen.
Die Rolle des informierten Verbrauchers
Wer versteht, was “Swiss Made” bedeutet, kann fundiertere Entscheidungen treffen. Anstatt sich allein auf das Label zu verlassen, können Verbraucher Folgendes bewerten:
- Markengeschichte und -reputation
- Art der verwendeten Bewegung
- Abschlussniveau
- Wartungs- und Kundendienstpolitik
Diese Faktoren helfen dabei, Marketing von Substanz zu trennen.
Swiss Made im aktuellen Kontext der Uhrmacherei.
In einem globalisierten Markt, in dem Komponenten rund um den Globus zirkulieren, behält das Label “Swiss Made” zwar seine Relevanz, muss aber heute differenzierter interpretiert werden als früher.
Es ist zwar keine absolute Garantie für Exzellenz, stellt aber dennoch ein rechtliches und kulturelles Bekenntnis zu bestimmten Standards dar.
Fazit: mehr als nur eine Inschrift auf dem Zifferblatt.
Damit eine Schweizer Uhr tatsächlich als “Swiss Made” gelten kann, sind Gesetze, industrielle Prozesse und strategische Entscheidungen erforderlich. Das Label garantiert Herkunft und Kontrolle, definiert aber allein nicht die Qualität des Produkts.
Für Uhrenliebhaber liegt der wahre Wert darin, die Bedeutung der Inschrift auf dem Zifferblatt zu verstehen. Je besser der Verbraucher informiert ist, desto leichter kann er erkennen, wann “Swiss Made” für echte Tradition steht – und wann es lediglich ein geschickt umgesetzter Teil der Markenbotschaft ist.

